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Kolpa Abdulrahman
Presseinformation
verschickt am 11.11.03
Kolpa Abdulrahmans raumgreifende Installation "Reflektionen",
die ab 30.11. für eine Woche im Alten Rathaus Maichingen ausgestellt
ist, vereint geometrische architektonische Elemente, Neonröhren,
Neue Medien und den Besucher im Raum zum ästhetisch-poetischen
Gesamtkunstwerk und thematisiert deren gegenseitige Durchdringung
im Alltag und Bewusstsein.
Die Idee zur Rauminstallation "Reflektionen" kam Abdulrahman
bei der nächtlichen Erkundung des Stuttgarter Westens. Die
sich in den Fensterscheiben reflektierenden Lichter der in den Wohnzimmern
flimmernden Fernsehapparate vereinten sich mit den dortigen Lichtquellen,
der kubischen Architektur der Wohnhäuser und seinem eigenen
Schatten zum spannenden Wechselspiel. In seiner Rauminstallation
greift Kolpa Abdulrahman diese Beziehungen auf, indem er mehrere
kubische Kästen zur Fantasie-Architektur auftürmt, in
deren Inneren er Form- und Farbspiele als indirekte, verschwommene
Reflektionen auf die gegenüber liegenden Wand projiziert.
Der Besucher, der das Gesehene wiederum mental reflektiert, wird
ein Gefühl zwischen Faszination, Neugierde, Platzangst und
Wut verspüren - je nach eigener Befindlichkeit und Vergangenheit
und auch davon abhängig, wie viele Menschen sich vor, zwischen
und in der Rauminstallation bewegen. Die Besucher des Alten Rathauses
müssen zu diesem Raum im Raum Position beziehen - zunächst
körperlich, dann geistig.
Ergänzt wird die Installation durch eine Videoskulptur, die
mittels eines Endlos-Loops den Betrachter zur Suche in einem sinnlosen
virtuellen Irrgarten auffordert. Eine Leuchtreklame-Skulptur, die
vor dem Alten Rathaus mit einem "Häusle"-Piktogramm
die Urform der Behausung vorführt, vervollständigt den
Dialog zwischen Innen und Außen.
Das Interesse für die Architektur, insbesondere
für die an den geometrischen Grundformen orientierte Architektur
des Bauhauses begleitet den im Irak geborenen Künstler seit
seiner Kindheit. Kolpa Abdulrahman wollte ursprünglich in Stuttgart
Architektur studieren, scheiterte aber an den Vorschriften der deutschen
Bürokratie. Da sein irakisches Abitur nicht anerkannt wurde,
studierte er an der Freien Kunstschule Grafik und Malerei. Er fotografierte,
zeichnete und modellierte einfache kubische Formen und begann, dreidimensionale
Flächen auf lineare Elemente zu reduzieren. Nach Abschluss
des Studiums bestand Abdulrahman die Begabten-Prüfung an der
Stuttgarter Kunstakademie und wurde direkt ins 3. Semester der Klasse
für Glasgestaltung und Malerei bei Prof. Johannes Hewel aufgenommen.
Es entstanden großformatige Wandcollagen aus Verpackungs-Materialen,
Neonröhren, Fotografien, Holz, Kunststoffen und Papier, die
nach und nach mit Dia-Projektionen und Videomonitoren konfrontiert
und kombiniert wurden. Insofern ist die Maichinger Rauminstallation
die konsequente Fortsetzung seines künstlerischen Schaffensprozesses.
Wer den Künstler selbst zu seinen Arbeiten befragen möchte,
hat dazu am Freitag, den 5. Dezember, ab 19 Uhr Gelegenheit, wenn
Kolpa Abdulrahman und Kurator Marko Schacher bei einem Glas Glühwein
und Spekulatius zum "Künstlergespräch" bitten.

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