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Kolpa Abdulrahman
Presse-Echo
SZBZ, Kreiszeitung Böblingen

Sindelfinger Zeitung / Böblinger
Zeitung 4.12.03
Hypnotischer Blick auf den Bildschirmschoner
Kolpa Abdulrahman im Alten Rathaus
Maichingen - Wie ein futuristischer Altar
wirkt eine der Rauminstallationen des Stuttgarters Kolpa Abdulrahman.
Für die nur bis 7. Dezember aufgebaute Ausstellung in der Galerie
der Stadt Sindelfingen im Alten Rathaus Maichingen hat er weder
eigene Kosten noch Mühen gescheut.
Monitore verweisen in einer labyrinthartigen Anordnung von Trennwänden
auf den alltagsbestimmenden Konsum von Fernsehbildern und machen
deutlich, dass davon nicht mehr als diffuse Lichtreflektionen übrig
bleiben. In endloser Abfolge zeigen die drei nebeneinander stehenden
Bildschirme der "Altarinstallation" mit starrem Kamerablick
den ausweglosen Gang durch ein Labyrinth an Mauern. Statt Freiheit
lauert auch hinter der nächsten Straßenecke schon die
nächste Sackgasse. Was links und rechts sein könnte, dafür
interessiert sich dieser scheuklappenbewehrte Sturmlauf nicht. Und
spielt damit an auf das Leben selbst, in dem doch auch immer wieder
nur nach vorne gestürmt wird, ohne die angenehmen Dinge links
und rechts des Lebenswegs wahrzunehmen. "Ich finde die Realität
des Lebens ziemlich abstrus", sagt Abdulrahman.
Für seine Videoskulptur hat Kolpa Abdulrahman die einem Standard-Bildschirmschoner
entnommenen Bildsequenzen mit drei hochkant in ein silbermatt gestrichenes
Holzregal eingefassten Mörtelwannen kombiniert, aus denen heraus
kühles bläuliches Licht ausstrahlende Energiesparlampen
wie hypnotisierende Finger den Blick des Betrachters fixieren. Dass
durch den Schimmer Strukturen des schwarzen Plastikgefäßes
sichtbar werden, ist zwar eher ein zufälliger Effekt, jedoch
durchaus im Sinne des Ausstellungsthemas. Darin nämlich geht
es um Reflektionen.
Die Idee dazu kam dem 1962 im Irak geborenen und seit 1989 in Deutschland
lebenden Kolpa Abdulrahman bei einem nächtlichen Spaziergang
durch seine Stuttgarter Wohngegend. In den Fensterscheiben der Wohnstuben
spiegelten sich die im Raum reflektierten Bilder aus Fernsehapparaten,
vereinten sich nach außen hin mit anderen Lichtquellen und
warfen Schatten auf die kubische Architektur der Wohnhäuser.
Dieses Setting hat Abdulrahman in reduzierter Form nun in der Maichinger
Galerie nachempfunden.
Die kühle Ästhetik der Installationen und manchmal absichtlich
die Sicht und Bewegungsfreiheit einschränkenden Raumteiler
prallt dabei auf eine nicht unangenehme Weise mit der rustikalen,
warmen Kulisse der Fachwerkarchitektur der Galerie zusammen und
zwingt den Betrachter dazu, Position zu beziehen. Reflektion ist
hier also nicht nur durch sich wiederspiegelnde Fernsehbilder (auf
eine inhaltliche Dimension hat Abdulrahman verzichtet) gegeben,
sie wird auch durch eine geistige Reflektion verlangt.
Thomas Volkmann

Kreiszeitung Böblingen
2.12.03
Vergebliche Suche nach orientalischer
Ornamentik
Der gebürtige Iraker Kolpa Abdulrahman stellt im Alten
Rathaus aus
Maichingen - Der aus dem Irak stammende Kolpa Abdulrahman gestaltete
in dem 37 Quadratmeter großen Raum im Alten Rathaus eine Installation
aus unzähligen Mauern. "Ich bin kein Kämpfer",
sagt er, und orientalische Ornamentik sucht man vergeblich. Kolpa
Abdulrahman kam 1989 nach Deutschland, studierte hier Malerei, hat
inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Da kommt einer
aus dem Vorderen Orient, aus der Region der Erzähltradition,
erlernt hier die Moderne - welche Geschichte wird das wohl ergeben?
In regem Kontakt mit seinen Angehörigen in der Heimat bleibt
er nicht unberührt von den jüngsten Geschehnissen. Und
er muss feststellen: Das Ende einer Diktatur sollte normalerweise
eine Verbesserung bringen, das Machtvakuum aber nimmt den Menschen
jede Hoffnung.
Sind das die Mauern, die Kolpa Abdulrahman im Wege der computergesteuerten
Bearbeitung schuf? In Richtung Raster sich auflösende Bilder
zeigen Mauern in Farbübergängen. "Ich bin kein Pessimist",
sagt der junge Mann. Er hat eine Perspektive: Die Ästhetik
und die Liebe, das werde bleiben, meint er. Drei Monitore werden
mit grellem Neonlicht gekoppelt. Drei Filme in Schwarz und Grau,
Filme von Mauern laufen ab. Das stehende Bild wurde im Wege der
Simulation in Bewegung gebracht und zum menschenleeren Labyrinth
erweitert. Statisches wurde in Prozess verwandelt, der Geschwindigkeit
ausgesetzt, das scheinbar Unüberwindbare wird zum Spielball.
Realität geht in der Täuschung auf.
Eng wie in einem Labyrinth geht es diesmal im Alten Rathaus zu,
denn der Künstler baute auch noch eine Installation aus Quadern,
Wänden und Säulen, und das alte Stützgebälk
aus Holz lässt keinen größeren Kontrast zu den leichten
Kunststoffelementen denken. Man hat jetzt die Chance, den Weg vom
Anlass zum Objekt nachzuvollziehen. Der "Erzähler"
tritt als Maler ("denn ohne dieses Studium könnte ich
nicht mit Komposition und Perspektive umgehen") einfach in
Stuttgart vor seine Tür und sieht Mauern, Fenster, Türen,
moderne Architektur. Wie die Landschaftsmaler nimmt er Außeneindrücke
auf, setzt diese dann allerdings nicht abbildend um. Abdulrahman
minimalisiert. Die Installation ist nicht besonders stabil. Halt
suchen kann man darin im doppelten Sinne nicht.
Das alte Stützgebälk im Raum kam dem Künstler sehr
gelegen. Es relativiert Wertungen bezüglich Dauer und Ästhetik
doch in unübersehbarer Weise. Architektur als Denkmal wird
hier fragwürdig. Und das bürgerliche Innenleben der Bauten,
da zählt doch die Flut mehr als das Bild. Wenn man am Abend
in den meisten Fenstern Farben flimmern sieht, sind nur Reflexe
statt Bildern wahrnehmbar, die ganze Nation hängt an dem modernen
Götzen Fernsehen und trägt nur einen Farbenrausch davon,
meint Abdulrahman.
So erkennt der Künstler die Realität als absurd. Er sieht
die Gesellschaft, in der nicht wirkliche Bilder, sondern nur Reflexionen
vorherrschen. Die "Bauteile" bestrich Abdulrahman weiß,
silbern oder in Signalgelb, dies soll eine kühle Atmosphäre
schaffen. Denn was ist das Leben, wenn Menschen es schaffen und
gestalten? Hierzu wieder Abdulrahman selbst: "Leere wird hochpoliert.
Totes wird immer wieder neu geschminkt."
Wenn dieser Künstler nun in der Darstellung den minimalistischen
Weg wählt, so verfolgt er damit das Ziel, seine Gedanken zwar
ins Figurative zu übersetzen, aber durch die Abstraktion doch
Körperlosigkeit zu schaffen. Damit wird der Inhalt vielfältig
und übertragbar. "Das hat mit Freiheit zu tun", sagt
er, der Mauern als Gegenbild aufrichtete. Eine Installation wählt
er bewusst, wenn sich so etwas auch nicht verkaufen lässt (den
Lebensunterhalt bestreitet Abdulrahman durch Jobs). Er verfolge
keinen erzieherischen Zweck, durch eine solche Arbeit komme nur
kurzfristig ein Gedanke in die Welt. In diesem Fall ist es eine
Sichtweise auf Land und Zeit mit Außenperspektive, die in
größeren Zusammenhängen denken will.
Christa Hagmeyer

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